Als Finissage der Ausstellung findet an diesem Tag um 14 Uhr ein Vortrag von Dr. Ingrid Schiel, Geschäftsführerin des Siebenbürgen-Instituts an der Universität Heidelberg und Leiterin der Siebenbürgischen Bibliothek mit Archiv, zur Erschließung und Digitalisierung der Fotosammlung Peter Jacobis statt.
Der Bildhauer und Fotograf Peter Jacobi ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler siebenbürgischer Herkunft. Bereits 1970 vertrat Peter Jacobi Rumänien bei der Biennale in Venedig. Es folgten zahlreiche Einzelausstellungen unter anderem 1981 im Chicago Museum of Contemporary Art und 1984 im Musée d'Art Moderne de Paris. Nach seiner Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland hatte er von 1971 bis 1998 eine Professur an der Hochschule für Gestaltung in Pforzheim inne und gestaltete das 2009 eingeweihte Holocaust-Mahnmal in Bukarest.
Seit mehr als 50 Jahren ist die künstlerische Beschäftigung mit der Erinnerungskultur ein Leitthema im Werk des 1935 geborenen Künstlers. Für seine Tätigkeit trug er über Jahrzehnte eine einzigartige Sammlung historischer Fotografien zusammen. Große Teile davon schenkte Peter Jacobi 2024 dem Siebenbürgen-Institut an der Universität Heidelberg und dem Siebenbürgischen Museum.
Beide Institutionen präsentieren in dieser Kabinettausstellung anlässlich des 90. Geburtstags des Künstlers nun erstmals der Öffentlichkeit einen kleinen Ausschnitt dieses umfangreichen Bestands.
Die facettenreiche Sammlung aus Privat-, Dokumentar-, Kunst- und Pressefotografien spannt einen weiten Bogen von den Anfängen der Fotografie Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1980er Jahre.
Ebenso weit gespannt sind die dargestellten Bildthemen, die sich von Familienporträts bis hin zu Stadtansichten, ethnologischen Aufnahmen und Dokumentarfotografien historisch bedeutender Ereignisse erstrecken. Geografisch liegt ein Schwerpunkt der Sammlung auf Werken mit rumänischen bzw. siebenbürgischen Bezügen.
Damit zeugen die Aufnahmen auch von der Qualität längst vergangener professioneller und amateurhafter Fotoateliers in Siebenbürgen und weit darüber hinaus, etwa in Chișinău (heute Republik Moldau) oder Odessa (heute Ukraine).
Die Sammlung ist nicht nur für die Allgemeine Geschichte der Welt, sondern insbesondere für die Migrationsgeschichte, die Ortsgeschichte, die Zeitgeschichte, die Wirtschafts- und Sozialgeschichte, die Alltags- und Kulturgeschichte sowie für die Biografie-Forschung Siebenbürgens und Rumäniens von Bedeutung.
Im Jahr 2025 hat das Siebenbürgen-Institut den thematisch Siebenbürgen und Rumänien zuzuordnenden Teil der Sammlung erstmals erschlossen und digitalisiert. In ihrem Vortrag gibt Dr. Ingrid Schiel Einblicke in das Erschließungs- und Digitalisierungsprojekt sowie die zukünftigen Nutzungsmöglichkeiten der Digitalisate für die Forschung und interessierte Öffentlichkeit.
