The young painter Leanne Picthall (*1999) from western Switzerland is showing recent paintings in oil on canvas in the cabinet of the Museum Franz Gertsch. This is her first solo exhibition in a museum.
Leanne Picthalls Ölgemälde lassen sich klassischen Genres wie dem Selbstporträt, Porträt, Stillleben und Tierbild zuordnen. Auch die Interaktion zwischen Mensch und Tier auf persönlicher Ebene interessiert die Künstlerin. Ihre Bildsprache leitet sich von der Ästhetik zeitgenössischer Smartphone-Fotografie ab, sie wählt ungewöhnliche Ausschnitte oder auch stark herangezoomte Details als Vorlagen für ihre Gemälde. Standbilder aus eigens inszenierten und gedrehten Videos dienen ihr ebenfalls als Ausgangsmaterial. Ihre Kindheit und eigene Gefühle werden ebenso thematisiert wie ihre Grossmutter, der als Fahrradmechaniker arbeitende Bruder, Freunde oder der eigene Hund und andere Tiere. Einige Bilder haben Text als Sujet, zu lesen ist etwa „afraid of a lot“ oder „it’s fine“. Picthall, die als Tochter einer kanadisch-deutschen Mutter und eines englischen Vaters dreisprachig (Französisch/Englisch/Deutsch) aufgewachsen ist, betitelt ihre Werke in englischer oder französischer Sprache.
Die im Kabinett miteinander gezeigten Arbeiten öffnen den Blick durch die Augen der Künstlerin auf Menschen und Tiere, auf Beziehungen – dargestellt mit Motiven aus ihrem Leben und dem ihrer Nächsten, ihrem Umfeld. Eine neu entstandene Werkgruppe (2025/26) basiert auf einem Video, in dem die Künstlerin, im Gesicht geschminkt wie die Fellzeichnung ihres Hundes, mit diesem interagiert. Verschiedene Standbilder daraus hat sie als Gemälde ausgeführt. In der Ausstellung sind auch vereinzelt ältere Arbeiten zu sehen (2023/24).
Zentrale Motive im aktuellen Schaffen von Leanne Picthall sind Fragen des Künstlerseins, der Performanz – etwas darstellen, schauspielern – auf der Bühne und im alltäglichen Leben: Charaktere, die wir verkörpern, und Rollen, die wir spielen. Dabei bewahren die Werke, die auf mit dem Smartphone eingefangenen Momentaufnahmen, herangezoomten Details oder Selfies basieren, eine spielerische Leichtigkeit und bleiben für Interpretationen offen – dies spiegelt sich auch in der diskreten Farbwahl, den gedeckten und kühlen Schwarz-, Weiss-, Hellblau- und Grüntönen, wider.
Leanne Picthall wurde 1999 in Genolier, einer Gemeinde in der Region Nyon des Kanton Waadt, geboren. Auf das Vorbereitungsjahr 2019–20 in Kunst und Design an der École de design et Haute école d’art du Valais (édhéa) in Siders folgte 2023 der Abschluss eines Bachelorstudiums in Fine Arts an der HEAD, der Haute école d’art et design in Genf. 2023 erhielt die Künstlerin den Prix Tremplin/HEAD der Fondation Leenaards, Lausanne. Seit 2019 stellt die Künstlerin in Gruppenausstellungen aus. Ihre erste Einzelpräsentation hatte sie 2024 in der Genfer Galerie Skopia. 2025 war sie Teil der Gruppenausstellung „COME-BACK! L’art figuratif en suisse: une scène au féminin“ im Musée d’art de Pully in Pully. Die Künstlerin lebt in Borex und arbeitet in Nyon.
Die Ausstellung wird kuratiert von Anna Wesle in Zusammenarbeit mit der Künstlerin.
Der Katalog zur Ausstellung erscheint bei Modo Press in Frankfurt am Main.
