Anselm Kiefer – Everything That Is. The Würth Collection and Loans

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Anselm Kiefer (born in 1945 in Donaueschingen) is one of the world’s most renowned contemporary artists. The Würth Collection includes more than 70 of his works spanning all phases of his career and featuring all the media he has used. These are complemented by several additional works from Kiefer’s studio. Among them is a collection of photographs in which, through post-processing, the factual nature of the visible world shifts into the fictional and ethereal realm of painting, and truth appears as a hypothesis.
So spannt die Ausstellung ihren Bogen von den Besetzungen und Heroischen Sinnbildern der 1960er und 1970er Jahre zu Robert Fludds naturphilosophischen Betrachtungen der Relationen zwischen Mikro- und Makrokosmos. Und von den Feld und Seeschlachten-Fantasien von Velimir Chlebnikov über die Himmelspaläste der jüdischen Kabbala bis zu den rätselhaften, kaum mehr als in ihren Namen erinnerten Frauen der Antike.

Schließlich rücken die bleiernen Bibliotheken in den Blick – und mit ihnen Bücher und Schrift in Objekten und Bildern als Verweise auf gespeichertes Wissen, Geschichte und Literatur. Kiefer widmet sich auch Madame de Staëls (allzu) verklärender Sicht auf deutsche Dichter und Denker einer mitunter schwarzen Romantik oder den Traumata des Dichters Paul Celan.



Dessen von ihm zu tiefst bewunderte Lyrik vermochte es, Adornos Behauptung, es sei unmöglich, nach Auschwitz Gedichte zu schreiben, ohne das Grauen zu ästhetisieren, überzeugend zu widerlegen. Aber auch Maos vergiftete Losung „Lasst 100 Blumen blühen“ findet einen unmissverständlichen Kommentar in Kiefers Werk. „In meinen Bildern“, so der Künstler, „erzähle ich Geschichten, um zu zeigen, was hinter der Geschichte liegt. Ich mache ein Loch und gehe hindurch.“ – Seine malträtierten, Asche, Feuer, Sturm und Regen aus gesetzten Werke sind Aufführungsorte seiner Freilegungen – und die vermeintliche „Verwüstung“ der gewaltigen Bildflächen ist weniger als ein Spiegelbild der alle Maße sprengenden Zerstörung, die die Menschheit sich selbst und der Erde antut, zu verstehen denn als Sinnbild einer Rückeroberung und des letztlich längeren Atems der wilden Natur.

In seinem monumentalen Holzschnitt Die vier Elemente (1997/2011) zeigt Kiefer eine dunkle Sonnenblume, im todesnahen Zustand, deren Kopf indes schon wieder voller Kerne steckt. In spiriert vom englischen Naturphilosophen Robert Fludd (1574–1637), der überzeugt war, dass jeder Pflanze der Erde ein äquivalenter Stern am Firmament entspreche, und der daraus auf eine Verbindung von Mikro und Makrokosmos schloss, ist der Künstler auf der Suche nach Hinweisen auf den Ursprung des Universums. Als Werkzeuge dienen ihm aber nicht Teleskop oder Teilchenbeschleuniger, sondern seine Werke. „Kunst“, sagt Kiefer, „hat immer auch mit der Aneignung des Unbegreiflichen zu tun (…). Ich bin kein Maler wie Matisse oder Delacroix, ich benutze Materialien als Farben und Farben als Substanzen (…) und die Materialien haben (…) in sich eine spirituelle Bedeutung.“
Adresse
Lange Straße 35
74523
Schwäbisch Hall
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