Vernissage am Freitag, 13. Februar 2026
Laudatio von Bruno Gallati
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Öffnungszeiten Mi, Do, So 14-17 Uhr
Infos Telefon 07761-568314 (Tourismus- und Kulturamt)
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„Wenn Fridolin über das Wasser kam, brachte er Licht. Nicht als Eroberer, sondern als Spiegel.“
Die Ausstellung erforscht künstlerisch die Rolle des Heiligen Fridolin als Grenzgänger zwischen spiritueller Mission und politischer Macht, Leben und Tod, Mythos und Geschichte. Sie thematisiert seine Reise von Irland über das Rheintal nach Säckingen bis nach Glarus, seine Wunder (z.B. das "Fridolinswunder" mit dem auferstandenen Ursus) sowie seine Bedeutung als Brückenfigur zwischen keltischem Christentum und kontinentaleuropäischer Kulturlandschaft.
Laudatio von Bruno Gallati
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Öffnungszeiten Mi, Do, So 14-17 Uhr
Infos Telefon 07761-568314 (Tourismus- und Kulturamt)
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„Wenn Fridolin über das Wasser kam, brachte er Licht. Nicht als Eroberer, sondern als Spiegel.“
Die Ausstellung erforscht künstlerisch die Rolle des Heiligen Fridolin als Grenzgänger zwischen spiritueller Mission und politischer Macht, Leben und Tod, Mythos und Geschichte. Sie thematisiert seine Reise von Irland über das Rheintal nach Säckingen bis nach Glarus, seine Wunder (z.B. das "Fridolinswunder" mit dem auferstandenen Ursus) sowie seine Bedeutung als Brückenfigur zwischen keltischem Christentum und kontinentaleuropäischer Kulturlandschaft.
The Island is a Reflection (M. P. Slongo, Acryl und Mischtechnik auf Leinwand)
Die gemalte Darstellung greift die mythologische, spirituelle und geographische Bewegung des Hl. Fridolin auf – von Irland bis an den Hochrhein. In poetischer Form verbindet sie das Motiv der Insel, des Lichts und der Bewegung mit der Frage: Was geschieht mit einem Menschen, der sich selbst auf Wanderschaft schickt – durch Länder, Zeiten, Glaubenslandschaften? Das Wasser wird zur fließenden Grenze, der schwebende Stein zur Reliquie einer inneren Stimme – dem Glauben. Die Bewegungen des Wassers und die Lichtprojektionen verflüssigen Zeit und Raum – sie verweisen nicht nur auf historische Stationen, sondern auch auf seelische Räume der Gegenwart: Unsicherheit, Sehnsucht, Reflexion. Was bleibt, ist nicht der Heilige – sondern der Raum dazwischen.
Mirko P. Slongo, 2025
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Biggi Slongo - Eine Reise durch die Zeit
Biggi Slongo ist im November 1946 in Gelsenkirchen – Buer geboren und aufgewachsen. Sie lebt und arbeitet seit 1966 in der Schweiz. Biggis künstlerisches Schaffen erstreckt sich in den letzten Jahren in den Bereichen Installationen und Fotoinstallationen. In der Villa Berberich zeigt Biggi eine Retrospektive der vergangenen Jahre.
Frauentrümmer
Biggi ist ein Kind der Aufbruchstimmung. Die Generation ihrer Mutter träumte in Friedenszeiten wohl noch vom "Märchenprinzen", der sie auf seinen Händen durchs Leben tragen und umsorgen würde. Dieser Traum wurde unter den Kriegstrümmern vergraben und erstickt. Der Ball ist vorbei, die Lichter aus, die Musik verstummt, und das feenhafte Kleid der Unschuld, leicht wie eine Wolke, blutrot. Ein dickes Stück Kernseife soll den Traum wieder entstehen lassen, reinwaschen, doch wie eine welke Blüte hängt das blutrote Kleid über dem Rand des Waschzubers. Das Blut fließt über dem Rand des Waschzubers immer wieder nach. Biggis "Cinderella" ist schauerlich schön, fasziniert und stößt ab zugleich.
Gleichberechtigung / vom Märchenprinzen und Frauenrechten
Der Teil der Ausstellung befasst sich mit dem Thema Frauenrechten. So befinden wir uns in der Fotoinstallation "Paragraphenmakramée" in einem verwogenen Netz von Vorschriften.
Gleichberechtigung – noch nicht ganz
finden in der Installation "Fata Morgana" unseren Prinzen in den Glarner Bergen auf einem Teppich davonfliegen und auch Frau Freuler träumt vom Ballkleid das sie nie tragen wird.
Viva la Vida
Altwerden ist nicht selbstverständlich -trotz mancher schmerzhafteren Spuren ist es ein Privi-leg.
Unsere Generation erfindet das Alter gerade neu. "Federn lassen" oder "Just A Bite" die Werke von Biggi waren zuletzt in London und anschließend in Bonn zu sehen.
Heldinnen
Am Eingang in der Villa Berberich ist ein Triptychon von Biggi zu sehen, dass über das heldenhafte Leben von Aleda March erzählt. Das dreiteilige Werk war bis ende 2025 im größten Frauenmuseum der Welt zu sehen.
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Mirko und Fridolin
Ich bin ein Kind von Emigranten aus den Venetischen Dolomiten aus einem Ort direkt an der Grenze zum Trentino Südtirol. Es ist weniger meine katholische Prägung die mich dazu führte das Leben und Leben und Wirken vom Hl Fridolin künstlerisch zu verarbeiten. Vielmehr glaube ich, dass mich etwas mit Fridolin verbindet, das tiefer geht: Ich war schon als Kind ein Suchender. Ich habe vieles im Leben gefunden, doch ein Suchender bin ich geblieben.
Meine Herkunft war immer eine Art Zwischenraum. Abgesehen von Sprache und einigen Traditionen ähnelten sich Kultur und Natur meiner Herkunftsregion erstaunlich stark mit meinem Geburtsland, dem Glarnerland. Und doch machten mir die Reaktionen meiner Mitmenschen früh klar, dass auch ich – wie meine Eltern – als Emigrant wahrgenommen wurde. Wenn man mich fragte: „Woher kommst du?“ und ich antwortete: „Aus Netstal (Glarus) “, folgte oft: „Nein, ich meine – woher kommst du wirklich?“ So entstand nach und nach eine Sehnsucht nach mir selbst. Vielleicht auch nach einem Ort, an den ich wirklich gehöre. Oder, wie Novalis es so schön formuliert: „Wo geh'n wir denn hin? Immer nach Hause.“
Viele Jahre später hörte ich mich in einem TV-Interview zur Realisierung des Fridolinkreisels in Näfels sagen:
„Ja, ich kann mich mit der Wahl unseres Landespatrons als Skulptur auf dem Kreisel gut identifizieren. Schließlich ist er – wie ich – ein Emigrant. Und offenbar ist die Integration eines Ausländers im Glarnerland geglückt: Wir tragen ihn sogar auf unserem Wappen.“ Dass ich selbst gewissermaßen seinen Namen trage, erfuhr ich schon viel früher – 1988, anlässlich einer Vernissage. Der Laudator Heinz Hösli stellte mich dem Publikum plötzlich als „Frigg“ vor, glarnerisch für Fridolin. Die verdutzten Blicke – auch meine eigenen – verlangten nach Erklärung. Hösli sagte: Mirko sei die Kurzform von Miroslav, und Miroslav bedeute „der Friedensreiche“. Genau dasselbe wie Fridolin. Also könne man mich ruhig Frigg oder Fridli nennen. Vielleicht ist es das, was mich letztlich mit Fridolin verbindet: das Unterwegssein zwischen Welten, die Erfahrung des Fremdseins – und zugleich die leise Hoffnung, irgendwo anzukommen. Nicht als jemand anderes, sondern als man selbst.
In der Ausstellung «Fridolin – Übers Wasser» nähere ich mich dem Leben von Fridolin von Säckingen nicht aus einer kirchenhistorischen oder hagiografischen Perspektive, sondern aus einer gnostischen Sicht: als inneren Weg der Erkenntnis. Für mich ist Fridolin weniger eine dogmatische Heiligenfigur als vielmehr ein Archetyp des Suchenden und Wandernden. Sein Lebensweg wird zum Sinnbild für einen Menschen, der sich aus Herkunft und Gewissheiten löst, um einer inneren Wahrheit zu folgen. In dieser Lesart steht nicht das äussere Wirken im Vordergrund, sondern die Transformation des Bewusstseins: das Durchschreiten von Fremdheit, Einsamkeit und Zweifel hin zu Klarheit, Verbundenheit und innerem Frieden. Meine Darstellung versteht Fridolins Biografie als Spiegel eines universellen Prozesses: Jeder Mensch trägt diese Bewegung in sich – das Aufbrechen, das Verlieren, das Erinnern und das allmähliche Heimkommen zu sich selbst. Gnostisch gelesen bedeutet dies nicht Erlösung von außen, sondern Erkenntnis von innen.
"Fridolin – Übers Wasser" zeigt Fridolin deshalb nicht als fertige Ikone, sondern als Prozess. Als Resonanzraum für eigene Erfahrungen von Migration, Identität und Sinnsuche. Seine Geschichte wird zur Metapher für das Erwachen des inneren Wissens – und damit für die stille Frage, die uns alle begleitet: Wer bin ich, jenseits von Herkunft, Rolle und Zuschreibung?
Januar 2026/Mirko P. Slongo
Die gemalte Darstellung greift die mythologische, spirituelle und geographische Bewegung des Hl. Fridolin auf – von Irland bis an den Hochrhein. In poetischer Form verbindet sie das Motiv der Insel, des Lichts und der Bewegung mit der Frage: Was geschieht mit einem Menschen, der sich selbst auf Wanderschaft schickt – durch Länder, Zeiten, Glaubenslandschaften? Das Wasser wird zur fließenden Grenze, der schwebende Stein zur Reliquie einer inneren Stimme – dem Glauben. Die Bewegungen des Wassers und die Lichtprojektionen verflüssigen Zeit und Raum – sie verweisen nicht nur auf historische Stationen, sondern auch auf seelische Räume der Gegenwart: Unsicherheit, Sehnsucht, Reflexion. Was bleibt, ist nicht der Heilige – sondern der Raum dazwischen.
Mirko P. Slongo, 2025
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Biggi Slongo - Eine Reise durch die Zeit
Biggi Slongo ist im November 1946 in Gelsenkirchen – Buer geboren und aufgewachsen. Sie lebt und arbeitet seit 1966 in der Schweiz. Biggis künstlerisches Schaffen erstreckt sich in den letzten Jahren in den Bereichen Installationen und Fotoinstallationen. In der Villa Berberich zeigt Biggi eine Retrospektive der vergangenen Jahre.
Frauentrümmer
Biggi ist ein Kind der Aufbruchstimmung. Die Generation ihrer Mutter träumte in Friedenszeiten wohl noch vom "Märchenprinzen", der sie auf seinen Händen durchs Leben tragen und umsorgen würde. Dieser Traum wurde unter den Kriegstrümmern vergraben und erstickt. Der Ball ist vorbei, die Lichter aus, die Musik verstummt, und das feenhafte Kleid der Unschuld, leicht wie eine Wolke, blutrot. Ein dickes Stück Kernseife soll den Traum wieder entstehen lassen, reinwaschen, doch wie eine welke Blüte hängt das blutrote Kleid über dem Rand des Waschzubers. Das Blut fließt über dem Rand des Waschzubers immer wieder nach. Biggis "Cinderella" ist schauerlich schön, fasziniert und stößt ab zugleich.
Gleichberechtigung / vom Märchenprinzen und Frauenrechten
Der Teil der Ausstellung befasst sich mit dem Thema Frauenrechten. So befinden wir uns in der Fotoinstallation "Paragraphenmakramée" in einem verwogenen Netz von Vorschriften.
Gleichberechtigung – noch nicht ganz
finden in der Installation "Fata Morgana" unseren Prinzen in den Glarner Bergen auf einem Teppich davonfliegen und auch Frau Freuler träumt vom Ballkleid das sie nie tragen wird.
Viva la Vida
Altwerden ist nicht selbstverständlich -trotz mancher schmerzhafteren Spuren ist es ein Privi-leg.
Unsere Generation erfindet das Alter gerade neu. "Federn lassen" oder "Just A Bite" die Werke von Biggi waren zuletzt in London und anschließend in Bonn zu sehen.
Heldinnen
Am Eingang in der Villa Berberich ist ein Triptychon von Biggi zu sehen, dass über das heldenhafte Leben von Aleda March erzählt. Das dreiteilige Werk war bis ende 2025 im größten Frauenmuseum der Welt zu sehen.
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Mirko und Fridolin
Ich bin ein Kind von Emigranten aus den Venetischen Dolomiten aus einem Ort direkt an der Grenze zum Trentino Südtirol. Es ist weniger meine katholische Prägung die mich dazu führte das Leben und Leben und Wirken vom Hl Fridolin künstlerisch zu verarbeiten. Vielmehr glaube ich, dass mich etwas mit Fridolin verbindet, das tiefer geht: Ich war schon als Kind ein Suchender. Ich habe vieles im Leben gefunden, doch ein Suchender bin ich geblieben.
Meine Herkunft war immer eine Art Zwischenraum. Abgesehen von Sprache und einigen Traditionen ähnelten sich Kultur und Natur meiner Herkunftsregion erstaunlich stark mit meinem Geburtsland, dem Glarnerland. Und doch machten mir die Reaktionen meiner Mitmenschen früh klar, dass auch ich – wie meine Eltern – als Emigrant wahrgenommen wurde. Wenn man mich fragte: „Woher kommst du?“ und ich antwortete: „Aus Netstal (Glarus) “, folgte oft: „Nein, ich meine – woher kommst du wirklich?“ So entstand nach und nach eine Sehnsucht nach mir selbst. Vielleicht auch nach einem Ort, an den ich wirklich gehöre. Oder, wie Novalis es so schön formuliert: „Wo geh'n wir denn hin? Immer nach Hause.“
Viele Jahre später hörte ich mich in einem TV-Interview zur Realisierung des Fridolinkreisels in Näfels sagen:
„Ja, ich kann mich mit der Wahl unseres Landespatrons als Skulptur auf dem Kreisel gut identifizieren. Schließlich ist er – wie ich – ein Emigrant. Und offenbar ist die Integration eines Ausländers im Glarnerland geglückt: Wir tragen ihn sogar auf unserem Wappen.“ Dass ich selbst gewissermaßen seinen Namen trage, erfuhr ich schon viel früher – 1988, anlässlich einer Vernissage. Der Laudator Heinz Hösli stellte mich dem Publikum plötzlich als „Frigg“ vor, glarnerisch für Fridolin. Die verdutzten Blicke – auch meine eigenen – verlangten nach Erklärung. Hösli sagte: Mirko sei die Kurzform von Miroslav, und Miroslav bedeute „der Friedensreiche“. Genau dasselbe wie Fridolin. Also könne man mich ruhig Frigg oder Fridli nennen. Vielleicht ist es das, was mich letztlich mit Fridolin verbindet: das Unterwegssein zwischen Welten, die Erfahrung des Fremdseins – und zugleich die leise Hoffnung, irgendwo anzukommen. Nicht als jemand anderes, sondern als man selbst.
In der Ausstellung «Fridolin – Übers Wasser» nähere ich mich dem Leben von Fridolin von Säckingen nicht aus einer kirchenhistorischen oder hagiografischen Perspektive, sondern aus einer gnostischen Sicht: als inneren Weg der Erkenntnis. Für mich ist Fridolin weniger eine dogmatische Heiligenfigur als vielmehr ein Archetyp des Suchenden und Wandernden. Sein Lebensweg wird zum Sinnbild für einen Menschen, der sich aus Herkunft und Gewissheiten löst, um einer inneren Wahrheit zu folgen. In dieser Lesart steht nicht das äussere Wirken im Vordergrund, sondern die Transformation des Bewusstseins: das Durchschreiten von Fremdheit, Einsamkeit und Zweifel hin zu Klarheit, Verbundenheit und innerem Frieden. Meine Darstellung versteht Fridolins Biografie als Spiegel eines universellen Prozesses: Jeder Mensch trägt diese Bewegung in sich – das Aufbrechen, das Verlieren, das Erinnern und das allmähliche Heimkommen zu sich selbst. Gnostisch gelesen bedeutet dies nicht Erlösung von außen, sondern Erkenntnis von innen.
"Fridolin – Übers Wasser" zeigt Fridolin deshalb nicht als fertige Ikone, sondern als Prozess. Als Resonanzraum für eigene Erfahrungen von Migration, Identität und Sinnsuche. Seine Geschichte wird zur Metapher für das Erwachen des inneren Wissens – und damit für die stille Frage, die uns alle begleitet: Wer bin ich, jenseits von Herkunft, Rolle und Zuschreibung?
Januar 2026/Mirko P. Slongo
