Ausstellungszyklus: Zuhause - Unterwegs
Das trinationale Netzwerk Museen präsentiert 2026/2027 den Ausstellungszyklus Zuhause - Unterwegs. 30 Museen aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz zeigen Ausstellungen, die sich auf verschiedene Weisen mit dem Thema beschäftigen und so eine grenzüberschreitende Reflexion hierzu anstossen.
Die Ausstellungsreihe wird vom Dreiländermuseum in Lörrach koordiniert. Auf dieser Seite finden Sie alle zwei Wochen neue Interviews mit Kurator*innen der Ausstellungen.
Andreas Seim, Kurator im Deutschen Musikatomaten-Museum (Bruchsal), zur Ausstellung Zuhause - unterwegs. Auf internationalen Spuren mechanischer Musik.
Worum geht es in der Ausstellung?
Das Deutsche Musikautomaten-Museum im Schloss beschäftigt sich hier mit den internationalen Spuren mechanischer Musik und präsentiert Firmenbiografien, die als „Startups“ des 19. Jahrhunderts gelten können. Die Unternehmen begannen lokal mit der Entwicklung mechanischer Musik, vernetzten sich rasch und etablierten sich bald als „Global Player“. Aus kleinen Orten im Schwarzwald heraus entstanden dichte Produktions- und Handelsnetze, die z. B. das Britische Empire, das Zarenreich und die USA erreichten. Bis mit den Folgen des Ersten Weltkriegs und der Weltwirtschaftskrise bestehende komplexe Zuliefer-, Produktions- und Marktstrukturen kollabierten.
Welchen Blick wirft die Ausstellung auf das Thema «Zuhause – unterwegs»?
Die Sonderpräsentation mit ihren 15 Stationen thematisiert auch eine historische Dimension von Wirtschaftsmigration. Viele Fachkräfte aus Deutschland setzten ihr Know-how in mechanischer Musik jenseits der Heimat ein und suchten ihr Auskommen im Ausland. Dies eröffnet Bezüge zu heutigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragestellungen in Europa – von der Mobilität der Arbeitskräfte bis zu transnationalen Wertschöpfungsketten.
Gibt es ein Werk oder einen Aspekt der Ausstellung, der für Sie das Thema «Zuhause – unterwegs» besonders eindrücklich vermittelt?
Eigentlich nein, denn jede Firmengeschichte oder die Biographie ihrer Besitzer sind sehr individuell . In sich abgeschlossen skizziert jede das Ausstellungsthema an sich. Informationsmappen vor den jeweiligen Objekten platziert, können dies vermitteln. Der Einbindung in das trinationale „Netzwerk Museen“ geschuldet in Deutsch und Französisch abgefasst.
Dominik Baiker, Leiter des Museums der Stadt Schopfheim (Schopfheim), zur Ausstellung Hebels Schweizerreise. Eine Reinszenierung.
Worum geht es in der Ausstellung?
Im Spätsommer 1805 begleitete der Dichter und Theologe Johann Peter Hebel zwei junge Adlige, Carl Peter und Christian Ernst August von Mentzingen, auf einer vierwöchigen Bildungsreise durch die Schweiz. Sein Reisetagebuch führt von den Ufern des Rheins zu Schweizer Seen, tosenden Wasserfällen und dem einstmals gewaltigen Grindelwaldgletscher im Berner Oberland. Die Ausstellung reinszeniert diese Reise mit 28 historischen Reisegrafiken und malerischen Ansichten, die einen Blick auf die Bildwelten um 1800 bieten. Sie zeigt, wie Landschaft zum Erlebnis und die Schweiz zum Sehnsuchtsort eines frühen Bildungs- und Naturtourismus wurde.
Welchen Blick wirft die Ausstellung auf das Thema «Zuhause – unterwegs»?
Der österreichische Schriftsteller Michael Köhlmeier hat Hebels Kunst einmal so beschrieben: „Er hat der Welt von seiner Heimat erzählt und seiner Heimat hat er von der Welt erzählt.“
Johann Peter Hebel gilt vielen immer noch als Heimatdichter. Unsere Ausstellung zeigt ihn von einer anderen Seite: als Reisenden, der 1805 die Schweiz erkundet und Landschaften, Gebräuche und Menschen mit wachem Blick beobachtet. Sein Reisetagebuch hält diese Begegnungen sachlich, knapp und bisweilen lakonisch fest. Dabei interessiert sich Hebel nicht nur für das Vertraute, sondern ebenso für das Fremde. Die Schweizer Bergwelt mit ihren Gipfeln, Gletschern und Schluchten fasziniert ihn als Naturerlebnis. Seine Reise macht deutlich: Hebels Heimatverbundenheit und seine Neugier auf die Welt gehören untrennbar zusammen.
Gibt es ein Werk oder einen Aspekt der Ausstellung, der für Sie das Thema «Zuhause – unterwegs» besonders eindrücklich vermittelt?
Wir zitieren Hebel in einer Objektbeschriftung zu einer Grafik mit dem Titel „Sonntagsbelustigung im Berner Oberland“. Über seine Begegnungen mit der ländlichen Bevölkerung in den Kantonen Obwalden und Bern schreibt er in seinem Reisetagebuch: „Indessen ist nichts schwerer, als ohne Ungerechtigkeit über den Charakter eines Volkes zu urtheilen, an dem man nur wie auf der Landstraße vorüberzieht.“ Ein bemerkenswert zeitloser Rat – für unterwegs ebenso wie für zuhause.
Zur Übersicht der Ausstellungen
Jan Merk, Leiter des Dreiländermuseums, zur Ausstellungsreihe:
