Führung durch die aktuelle Ausstellung

Anna Barham, delirious Mantra, Ausstellungsplakat, Foto: Anna Barham, Squid Eye, 2025
Diese Veranstaltung wird angeboten in
Deutsch
Anna Barham: delirious mantra
In einem digitalen Kontext, der uns dazu verleitet, an eine nahtlose und unmittelbare Kommunikation zu glauben, wird die körperliche Reibung in der Sprache zu etwas, das geglättet werden muss. Systeme wie die automatische Spracherkennung sind geprägt von hegemonialen Vorstellungen darüber, welche Stimmen zählen und welche linguistischen Formen es wert sind, anerkannt zu werden.

Anna Barham (*1974, Sutton Coldfield), die ihre erste umfassende Einzelausstellung in Deutschland präsentiert, entzieht sich dieser Glättung von Sprache und rückt stattdessen das Unübersetzbare und nicht Reduzierbare ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit. Ihre künstlerische Praxis verbindet Sprache mit dem Bildlichen und Performativen, um herauszukristallisieren, welche assoziativen Bedeutungen einem Wort inhärent sein können, aber erst durch eine neue Verschiebung seiner einzelnen Teile zum Vorschein treten.

Barham behandelt Sprache sowohl als plastisches als auch akustisches Material und füllt die Ausstellung mit Sounds und Stimmen. Hände formen und verformen Buchstaben aus geometrischen Flächen; Text schlängelt sich durch die Ausstellungsräume, um die institutionelle Architektur und ihrer Ausstattung herum und darüber hinweg; ein großformatiger UV-Drucker produziert Wörter und Bilder; und aus dem entferntesten Raum ertönt der unaufhörliche Ruf einer Zikade.

Seit 2013 arbeitet Anna Barham mit der Fehleranfälligkeit von Spracherkennungen, um neue Bedeutungen zu erschließen sowie die Materialität der Stimme und ihre Unterbrechungen in den Vordergrund zu stellen. Für die Künstlerin sind es genau diese Texturen und Prozesse des Verhörens, die das Potenzial der Stimme ausmachen. In ihrer neuen Soundarbeit ZYX (2026) betrachtet sie die durch automatische Spracherkennung verursachten Fehler als Halluzinationen.
Was zunächst wie ein falsch wahrgenommener Text anmutet, ist stattdessen eine neue Art des Denkens und Schreibens in radikaler Opposition zur Automatisierung, Normierung und Autorität.

Kuratiert von Anja Casser

Die Ausstellung wird gefördert durch den Innovationsfonds Kunst des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.