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Architectures impossibles

Ausstellungen
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Wie kann Architektur, die strengen Regeln, bisweilen unantastbaren Dogmen und meist praktischen Zwecken gehorcht, „unmöglich“ sein? Von diesem Widerspruch ausgehend gibt diese Ausstellung im Musée des Beaux-Arts de Nancy vom 19. November 2022 bis zum 19. März 2023 eine einzigartige Übersicht über die verschiedenen Wege, die Künstlerinnen und Künstler von der Renaissance bis heute beschritten haben, um Bauten und Räume völlig frei von allen Sachzwängen zu erfinden.

Das französische Kulturministerium bewertet diese Ausstellung als von nationalem Interesse
und fördert sie durch eine außergewöhnliche finanzielle Unterstützung des Staates.
Derart frei von starren Codes, in die sie angesichts ihrer herkömmlichen Funktionen eingeschlossen wird, kann Architektur Ideen wie das Ausloten der Tiefen des menschlichen Denkens, der Erinnerung, des Unbewussten zum Ausdruck bringen. So wie sie unserer Vorstellungskraft entspringt, ist sie eine bedeutende Inspirationsquelle für die Kunstgeschichte und hat in allen Epochen die Kreativität von Künstlerinnen und Künstlern genährt, die aus architektonischen Vorstellungswelten ein mächtiges Potential der Evokation imaginärer Räume schöpften, um zu überraschen, zu verunsichern, um vorgebliche Gewissheiten zu hinterfragen oder Missstände anzuprangern. Ohne den Anspruch zu erheben, dieses aufgrund der mit der Moderne zunehmenden Selbstbezüglichkeit von Kunst grenzenlose Thema endgültig behandeln zu wollen, ist die Ausstellung in fünf thematische Bereiche aufgeteilt, deren Titel möglichst viele Interpretationsansätze bieten sollen: Capriccio, Übermaß, Verirrung, Bedrohung und Verlust. Bestimmte Motive wie das Labyrinth, der Turm, die Treppe, das Haus und die Burg bilden den Leitfaden für eine Reise in skurrile, fabelhafte und bedrohliche Welten, aus denen der Mensch fast völlig verschwunden ist. Die Ausstellung steht im Zeichen der Offenheit. Aus diesem Grund beschränkt sie sich nicht auf Malerei und Arbeiten auf Papier, zwei Medien, die der „Baukünstler“ und der Architekt bevorzugen – wenn der Letztere Lineal und Zirkel gegen Pinsel, Zeichenstift oder Radiernadel eintauscht. Die Ausstellung erzeugt vor allem Wechselbeziehungen mit Literatur, Fotografie, Film und Computerspielen und lädt zur Reise in beglückende oder beängstigende Universen ein, in denen die Architektur die Hauptrolle spielt. Sie ist hier wesentlich mehr als ein simples Element des Kontexts oder der Kulisse: Sie spielt eine symbolische Partitur, in der das Flanieren durch Traumwelten oder psychologische Verirrung anklingen, und dient den Künstlerinnen und Künstlern mal als Spielfeld, dann wieder als Ort psychischer Erkundigung, sozialer Forderungen oder politischen Protests. Mit über 150 Werken jeder Art aus französischen und internationalen Sammlungen sowie aus Privatbesitz sind mehr als 80 Künstlerinnen und Künstler vertreten. Große Namen der internationalen zeitgenössischen Kunstszene wie Wim Delvoye, Elmgreen & Dragset oder Bodys Isek Kingelez stehen neben erst jüngst bekannt gewordenen zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern wie Emily Allchurch, Lee Bul oder František Lesák. Namhafte Persönlichkeiten der Kunstgeschichte von Jan Gossaert und Escher über Piranesi, Boullée und Hubert Robert bis hin zu Victor Hugo und Gustave Doré treten in einen Dialog mit solchen ein, deren Namen dem französischen Publikum vielleicht weniger vertraut sind wie Wendel Dietterlin, Bruno Taut, Wenzel Hablik oder Carel Willink. Sie alle stellen die Architektur in den Mittelpunkt ihres schöpferischen Ansatzes und ihres visuellen Universums. Imaginäre, fantastische oder utopische Architektur wurde in den vergangenen Jahrzehnten beispielsweise in Nürnberg, Barcelona und Paris gezeigt. Diese Ausstellungen befassten sich jedoch nur mit einem einzigen Aspekt, beschränkten sich auf ein einziges Medium oder eine einzige Epoche.
Für diese Ausstellung hingegen wurde eine völlig neue, allgemeinere Herangehensweise gewählt, die die Werke auf ungewöhnliche Weise miteinander konfrontiert. Indem sie sich von den traditionellen Diskursen über Kunst sowie den Hierarchien und Einteilungen in Epochen und Gattungen befreit, lädt sie die Besucherinnen und Besucher zu einer spannenden Reise in bizarre Universen ein, die unsere unmittelbare Wahrnehmung und unsere kognitiven Gewohnheiten radikal in Frage stellen.
Inhalte online verfügbar
Henry Provensal, Projet onirique (tombeau pour un poète), 1901, Paris, musée d’Orsay © Musée d’Orsay, Dist. RMN-Grand Palais / Patrick Schmidt
Erik Desmazières, La Bibliothèque de Babel, 1998, eau-forte en noir et aquatinte, Paris, collection particulière, © Photo Raphaël Caussimon © ADAGP, Paris, 2022.
Geeignet für Familien
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48.693381, 6.182622