Neue Romantik

Ausstellung des Tourismus- und Kulturamts der Stadt Bad Säckingen

14.10.2018 - 11.11.2018

Vernissage am Samstag, 13.10.2018, 18:00 Uhr.

Wir möchten hier dieses – vielleicht ungewöhnlich anmutendes – Ausstellungsprojekt vorstellen. Romantik - erscheint sie nicht unzeitgemäß, weltabgewandt? Um das Projekt darzustellen, ist ein kurzer Rückblick von Nöten: Zu Beginn des 19 Jahrhunderts konnte man speziell in Deutschland in der Malerei einen neuen Ansatz in der Darstellung von Landschaft beobachten: Landschaft erhaben und im von Gott geschaffenen Zustand. Kaum geformt von ivilisatorischer
Überformung gab das Bild Vorlage für intensive und kontemplative Versenkung. Heute nennen wir diese neue Darstellung, die damals in ihrer Wucht und Leere verängstigt, Romantik. Das Anliegen dieser neuen Kunstströmung fasste Friedrich Wilhelm Schelling in kürze so zusammen: „Das höchste Verhältnis der Kunst zur Natur ist dadurch erreicht, dass sie diese zum Medium macht, die Seele in ihr zu versichtbaren“. Als Reaktion auf die vernunftgerichtete Philosophie der Aufklärung entstand die Romantik, deren Grundthemen nun Empfindung und Individualität waren, Sehnsucht und Mysterium.

„Der Maler soll nicht bloß malen, was er vor sich sieht, sondern auch was er in sich sieht. Sieht er aber nichts in sich, so unterlasse er zu malen, was er vor sich sieht.“ (Caspar David Friedrich)

Anfang neunzehntes Jahrhundert – zweihundert Jahre sind nun verstrichen, die Romantik abgelagert und in kunstwissenschaftlichen Schubladen verstaut und konserviert? Hat sich die Welt aus Sicht des Individuums seither grundlegend geändert, haben sich Gefühle und Bedürfnisse gewandelt? Die die Romantik anstoßende Aufklärung ist passé, das machbare in der Wirtschaft ist Diktat der Vernunft, nahezu unkontrollierbare Strukturen verändern unsere Welt in einer Geschwindigkeit, die viele nicht mehr verstehen und kaum noch darin ihren Platz verorten können. Die Hinwendung zur Natur, zum Ursprünglichen mit manchmal fragwürdigen Forderungen ist längst schon Teil der Politik geworden.

„Man kann durchaus von einem neoromantischen Denkansatz sprechen, wenn wir die Diskussion über unsere Lebensvorstellungen und natürlichen Ressourcen heranziehen. .... Es verwundert deshalb nicht, wenn sich immer mehr bildende Künstler mit diesen, uns allen bedrängenden Fragen beschäftigen“ Helmut Herbst

Die Ausstellungsreihe soll nun diesen romantischen Ansatz anhand ausgewählter Künstler aus der Sparte Malerei und Fotografie exemplarisch vorstellen. Die Künstler eint das, was Novalis folgendermaßen definierte: „Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich.“ Dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen geben – das beschreibt treffend die Arbeiten der Fotografen Rolf Linnemann und Christoph von Haussen sowie die des Malers Joachim Lehrer. Sind es bei den Fotografen reale und tatsächlich so vorgefundene Orte, die durch raffinierte Lichtregie geheimnisvoll aus dem nächtlichen Dunkel herausgehoben werden, entdecken wir bei Joachim Lehrer Hinterlassenschaften unserer Zivilisation an unwirklichen rätselhaften Orten. Den Dingen – oft
Autos – werden menschliche Eigenschaften zugeordnet und sie beginnen im Betrachter zu erzählen. Ein Spiegel der Seele – so lassen sich Michael Krähmers Bilder der neuen Romantik zuordnen, seine Landschaften halten eine Balance von sehnsuchtsvoller Verlockung und kühler Distanz. Natur, wie sie der Künstler schafft, wird zu etwas Unbegreiflichem, Übermenschlichem, zu einer kosmischen Kraft. Die Romantik der Unendlichkeit und Sehnsucht paart sich mit fernöstlicher Mystik. Mit ähnlich kühler Distanz zeigt uns Werner Fohrer seine Bildwelt. Ebenso reale wie vorgefundene Orte verzaubert er die Wald und Wasserstücke durch ihre im Ausschnitt intensive Präsenz. Seine Bilder enden im Mittelgrund, der Ferne Horizont - wie bei Krähmers und Lehrers Arbeiten – fehlt. „Das allgemeine Waldbild ist von der Romantik geprägt.“ (Prof. Bastian Kaiser)

Werner Fohreroben: Krähmer; unten: LehrerVon Haussen und Linnemann

Öffnungszeiten

Ausstellungen des
Amtes für Wirtschaftsförderung,
Tourismus- und Kultur
der Stadt Bad Säckingen
Mi, Do, So, Feiertage: 14-17 Uhr

Ausstellungen des Kunstvereins
Mi: 16-18 Uhr
Sa: 14-17 Uhr
So und Feiertage: 10-12 und 14-17 Uhr

Adresse

Parkstraße 1
79713  Bad Säckingen
Tel: +49 7761 5683-0
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