Neue Romantik

Ausstellung mit Unterstützung des Amtes für Wirtschaftsförderung, Tourismus und Kultur der Stadt Bad Säckingen

12.10.2018 - 11.11.2018

Vernissage am Freitag, 12.10.2018, 18:00 Uhr.
Wir möchten hier dieses – vielleicht ungewöhnlich anmutendes – Ausstellungsprojekt
vorstellen. Romantik - erscheint sie nicht unzeitgemäß, weltabgewandt? Um das
Projekt darzustellen, ist ein kurzer Rückblick von Nöten:
Zu Beginn des 19 Jahrhunderts konnte man speziell in Deutschland in der Malerei
einen neuen Ansatz in der Darstellung von Landschaft beobachten: Landschaft
erhaben und im von Gott geschaffenen Zustand. Kaum geformt von zivilisatorischer
Überformung gab das Bild Vorlage für intensive und kontemplative Versenkung.
Heute nennen wir diese neue Darstellung, die damals in ihrer Wucht und Leere
verängstigt, Romantik. Das Anliegen dieser neuen Kunstströmung fasste Friedrich
Wilhelm Schelling in kürze so zusammen:
„Das höchste Verhältnis der Kunst zur Natur ist dadurch erreicht, dass sie diese zum
Medium macht, die Seele in ihr zu versichtbaren“
Als Reaktion auf die vernunftgerichtete Philosophie der Aufklärung entstand die
Romantik, deren Grundthemen nun Empfindung und Individualität waren, Sehnsucht
und Mysterium.
„Der Maler soll nicht bloß malen, was er vor sich sieht, sondern auch was er in sich
sieht. Sieht er aber nichts in sich, so unterlasse er zu malen, was er vor sich sieht.“
(Caspar David Friedrich)
Anfang neunzehntes Jahrhundert – zweihundert Jahre sind nun verstrichen, die
Romantik abgelagert und in kunstwissenschaftlichen Schubladen verstaut und
konserviert? Hat sich die Welt aus Sicht des Individuums seither grundlegend
geändert, haben sich Gefühle und Bedürfnisse gewandelt?
Die die Romantik anstoßende Aufklärung ist passé, das machbare in der Wirtschaft
ist Diktat der Vernunft, nahezu unkontrollierbare Strukturen verändern unsere Welt in
einer Geschwindigkeit, die viele nicht mehr verstehen und kaum noch darin ihren
Platz verorten können. Die Hinwendung zur Natur, zum Ursprünglichen mit
manchmal fragwürdigen Forderungen ist längst schon Teil der Politik geworden.
„Man kann durchaus von einem neoromantischen Denkansatz sprechen, wenn wir
die Diskussion über unsere Lebensvorstellungen und natürlichen Ressourcen
heranziehen. .... Es verwundert deshalb nicht, wenn sich immer mehr bildende
Künstler mit diesen, uns allen bedrängenden Fragen beschäftigen“
Helmut Herbst
Die Ausstellungsreihe soll nun diesen romantischen Ansatz anhand ausgewählter
Künstler aus der Sparte Malerei und Fotografie exemplarisch vorstellen. Die Künstler
eint das, was Novalis folgendermaßen definierte:
„Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein
geheimnisvolles Ansehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem
Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich.“
Dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles
Ansehen geben – das beschreibt treffend
die Arbeiten der Fotografen Rolf
Linnemann und Christoph von Haussen
sowie die des Malers Joachim Lehrer.
Sind es bei den Fotografen reale und
tatsächlich so vorgefundene Orte, die
durch raffinierte Lichtregie geheimnisvoll
aus dem nächtlichen Dunkel herausgehoben
werden, entdecken wir bei
Joachim Lehrer Hinterlassenschaften
unserer Zivilisation an unwirklichen
rätselhaften Orten. Den Dingen – oft
Autos – werden menschliche Eigenschaften
zugeordnet und sie beginnen
im Betrachter zu erzählen.
Ein Spiegel der Seele – so lassen sich
Michael Krähmers Bilder der neuen
Romantik zuordnen, seine Landschaften
halten eine Balance von sehnsuchtsvoller
Verlockung und kühler
Distanz. Natur, wie sie der Künstler
schafft, wird zu etwas Unbegreiflichem,
Übermenschlichem, zu einer kosmischen
Kraft. Die Romantik der Unendlichkeit
und Sehnsucht paart sich mit
fernöstlicher Mystik.
Mit ähnlich kühler Distanz zeigt uns Werner
Fohrer seine Bildwelt. Ebenso reale wie
vorgefundene Orte verzaubert er die Waldund
Wasserstücke durch ihre im Ausschnitt
intensive Präsenz. Seine Bilder enden im
Mittelgrund, der Ferne Horizont - wie bei
Krähmers und Lehrers Arbeiten – fehlt.
„Das allgemeine Waldbild ist von der
Romantik geprägt.“
(Prof. Bastian Kaiser)

Werner Fohreroben: Krähmer; unten: LehrerVon Haussen und Linnemann

Öffnungszeiten

Ausstellungen des
Amtes für Wirtschaftsförderung,
Tourismus- und Kultur
der Stadt Bad Säckingen
Mi, Do, So, Feiertage: 14-17 Uhr

Ausstellungen des Kunstvereins
Mi: 16-18 Uhr
Sa: 14-17 Uhr
So und Feiertage: 10-12 und 14-17 Uhr

Adresse

Parkstraße 1
79713  Bad Säckingen
Tel: +49 7761 5683-0
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