Stadtmuseum Bad Krozingen

Römer in Bad Krozingen
Im Erdgeschoss sind die römische Vergangenheit und das römische Alltagsleben mit zahlreichen Funden aus den Ausgrabungen der archäologischen Denkmalpflege Freiburg in Bad Krozingen ausgestellt. Durch die Ausgrabungen von 1971 bis 1983 im Neubaugebiet am südlichen Ortsrand zeigte sich, dass hier seit etwa 70 nach Christus, eine römische Siedlung an der römischen Fernstraße von Basel nach Mainz existierte. Der Name des heutigen Ortsteils „Kems“ ist vermutlich auf den ehemaligen römischen Ortsnamen Cambete zurückzuführen. Im Vordergrund stehen vor allem die Funde aus dem römischen Töpfereiviertel, dessen Produkte am Oberrhein großen Absatz fanden. Annähernd römisches Ambiente bietet der ehemalige Verkaufsraum des barocken Litschgihauses, der unter anderem mit der Rekonstruktion einer römischen Küche und Repliken von römischen Sitzgelegenheiten an ein römisches Gasthaus erinnern soll, wie sie wohl zahlreich im römischen Ort anzutreffen waren. Hier konnten sich Reisende und Händler mit Dienstleistungen aller Art versorgen. Entlang der Fernstraße im Ortsbereich reihten sich gewerbliche Betriebe wie Töpfereien, Schmiede, Knochenschnitzer, Wagenbauer, Händler und Raststätten mit Garküchen.

Bad Krozingen - älter als 1200 Jahre
Herausragend sind die im Gewölbekeller des Stadtmuseums ausgestellten Funde aus dem merowingerzeitlichen Gräberfeld im Gewann „Unterer Stollen“, die 1997/98 von der Archäologischen Denkmalpflege Freiburg ausgegraben wurden. Ab der Zeit um 500 nach Christus lebten hier an der ehemaligen römischen Fernstraße offensichtlich alamannische Amtsträger mit administrativen Aufgaben in fränkischen Diensten. Schmuckstücke wie beispielsweise die silbervergoldeten und mit Edelsteinen besetzten Gewandspangen der Frauen zeigen Modetrends direkt vom fränkischen Königshof im Siedlungsgebiet der Alamannen. Auch die Wurfäxte der Männer, die sogenannten „Franzisken“, belegen fränkischen Einfluss in der Kampfesweise. Im Zentrum der Ausstellung steht eine wieder aufgebaute Grabkammer aus Stein mit dem Skelett einer Frau, die um 700 nach Christus lebte und mit reichen Beigaben und christlichen Schmuckstücken fürs Jenseits ausgestattet war. Die Funde der Ausgrabung der Freiburger Denkmalpflege von 2001 bis 2004 bei der Glöcklehofkapelle aus dem 7. bis 12. Jahrhundert veranschaulichen Alltagsleben in einem frühmittelalterlichen Dorf. Davon zeugen Webgewichte und Spinnwirtel zur Herstellung von Kleidung, die wohl in jedem Haushalt vorhanden waren. Zum größten Teil aus eigener Produktion stammen die zahlreichen Fragmente von keramischen Koch- und Essgeschirr, dazu wurden auch Keramikgefäße vom Kaiserstuhl und aus dem Elsass eingehandelt. Ein besonders seltenes Fundstück ist ein mit Messingstreifen verzierter Reitersporn, der im 7. Jahrhundert von einem Reiterkrieger getragen wurde. Die romanische Glöcklehofkapelle mit Rechteckchor, als Modell in der Ausstellung zu sehen, steht im Verdacht, als Eigenkirche eines Herrenhofes bereits im frühen Mittelalter bestanden zu haben.

Von der Steinzeit zu den Kelten
In der Dauerausstellung zur Steinzeit und den Kelten können Besucher erstmals die zahlreichen und zum Teil noch nie gezeigten archäologischen Funde von der Steinzeit bis zu den Kelten von Bad Krozingen, Biengen, Hausen, Schlatt und Tunsel sehen. Siedlungs- und Grabfunde mit umfangreichen Beigaben vermitteln Aspekte des Lebens der Menschen zwischen 7000 und 50 vor Christus in dieser fruchtbaren Landschaft. Die ältesten Zeugnisse der Anwesenheit von Menschen auf Bad Krozinger Gebiet sind Steingeräte der Jäger und Sammler vor etwa 9000 Jahren. Sesshafte Bauern besiedelten seit der Jungsteinzeit vor 7500 Jahren die fruchtbaren Schwemmlössbereiche von Neumagen und Möhlin. Hausmodelle verdeutlichen die Bauweise der ältesten Häuser in der Jungsteinzeit ab 5500 vor Christus. Durch die Erfindung von Werkzeugen und Waffen aus Bronze und Eisen entstehen ab etwa 2000 vor Christus spezialisierte Berufsgruppen und somit auch differenzierte Gesellschaftssysteme. Herausragend ist ein Grabfund einer Dame aus der Bronzeit um 1100 vor Christus, der in einer rekonstruierten Grabkammer ausgestellt ist. Außerdem sind in der Ausstellung Schmuck, Werkzeuge und Keramikgefäße von den Siedlungsplätzen der Kelten (600 bis 50 vor Christus) vom Sinnighofer Buck und vom Schlatter Berg zu sehen.

Die Dauerausstellungen sind für große und kleine Besucher anschaulich und allgemeinverständlich gestaltet und bieten zudem umfangreiche Aktivitätsbereiche für Kinder. Als außerschulischer Lernort wurde das neue Stadtmuseum bereits von zahlreichen Schulklassen aus Bad Krozingen und aus der Umgebung besucht. Auch die gestiegene Nachfrage nach Führungen für einheimische und überregionale Besuchergruppen zeigt ein reges Interesse am neuen Stadtmuseum.

Zenta Maurina
Zenta Maurina wurde am 15. Dezember 1897 in Lejasciems in Lettland geboren, sie starb am 25. April 1978 in Basel. Im Alter von fünf Jahren erkrankte sie an Kinderlähmung und war ihr ganzes Leben an den Rollstuhl gefesselt, was sie nicht daran hinderte erfolgreich das Abitur abzulegen und ein Studium anzuschließen. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges floh Zenta Maurina mit ihrem Lebensgefährten Konstantin Raudive aus Lettland und erhielt in Schweden Asyl. Im Jahre 1966 verlegte sie auf ärztliche Empfehlung ihren Wohnsitz in das klimatisch günstige Bad Krozingen. Bis zu ihrem Tode im Jahre 1978 lebte sie hier und fand ihre letzte Ruhestätte auf dem Friedhof in Bad Krozingen. Von besonderer Bedeutung sind ihre autobiographischen Schriften und ihre zahlreichen Essays.

Pater Marquard Herrgott
Pater Marquard Herrgott war Benediktinermönch, Historiker und Gesandter am Wiener Hof sowie zuletzt Propst in Krozingen. Nach seinem Studium in Freiburg und Straßburg trat er in das Benediktinerkloster St. Blasien ein. Von 1728 bis 1748 war er als diplomatischer Vertreter der Breisgauer Stände am kaiserlichen Hof in Wien. Dort begann er ausgiebige Studien zur Geschichte des Hauses Habsburg, die er in den folgenden Jahrzehnten in prachtvollen Luxusausgaben zum Druck brachte. Inhaltlich äußerst sorgfältig gearbeitet, gehörten seine Werke bis in die Gegenwart zu den Standardwerken der südwestdeutschen Geschichtsforschung. Aller Anerkennung für seine Bücher zum Trotz machte sich Herrgott am Wiener Hof missliebig und wurde vom Kloster St. Blasien daraufhin 1748 auf die Propstei Krozingen versetzt, wo er bis zu seinem Tod lebte. Die Propstei (das heutige Schloss) und die Schlosskapelle Krozingen brachte er in einer großen Umbaumaßnahme in ihre heutige Gestalt.

Blick in die Ausstellung "Pater Herrgott"
Blick in die Ausstellung "Bd Krozingen älter als 1200 Jahre"
Blick in die Ausstellung "Römer in Bad Krozingen"

Öffnungszeiten

DI-DO 15:00-17:00 Uhr
jeden 1. und 3. Sonntag im Monat, 15:00-17:00 Uhr

Adresse

Basler Straße 10-12
79189  Bad Krozingen
Tel: +49 7633 40 71 74
Fax: +49 7633 40 71 57
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