Heimat- und Uhrenmuseum

Der Fachwerkbau, ein ehemaliges Lehrerhaus aus dem frühen 18. Jahrhundert, gehört zu den ältesten in Schwenningen erhaltenen Gebäuden und dient seit 1931 als Museum. Die Sammlung bietet aktuell vier Schwerpunkte:

 Alamannen an der Neckarquelle
• Historische Bauernstuben
• Schwarzwälder Uhren
• Hellmut-Kienzle-Uhrensammlung

 

Im Erdgeschoss des Museums beschreibt seit März 2005 die Abteilung 'Die Alamannen an der Neckarquelle' das Leben und die historischen Zusammenhänge der in der Region Schwenningen ansässigen Menschen vor etwa 1.300 Jahren. Die ausgestellten Funde stammen aus dem Gräberfeld 'Auf der Lehr'. Im Mittelpunkt der Präsentation steht die Gesichtsrekonstruktion einer alamannischen Frau, deren Grab unversehrt vorgefunden wurde.

 

Im ersten Obergeschoss befinden sich Inszenierungen historischer Bauernstuben mit Möbeln aus der Baar und eine Abteilung zur Fasnet in Schwenningen.

 

Das zweite Obergeschoss ist den Uhren gewidmet. Mit der Herstellung billiger Uhren für einen europäischen Markt begann im 18. Jahrhundert im Schwarzwald und in Schwenningen eine neue Epoche. Für Schwenningen war die Uhrenproduktion über zwei Jahrhunderte der alles bestimmende wirtschaftliche Dreh- und Angelpunkt. Die Ausstellung konzentriert sich auf handwerkliche Uhren aus Schwenningen und dem Schwarzwald.

 

Die 2010 eröffnete Ausstellung von hochwertigen Uhren des 16. bis 19. Jahrhunderts aus allen europäischen Uhrmacherzentren bietet eine repräsentative Auswahl aus der 'Hellmut-Kienzle-Uhrensammlung'.

 

Am Anfang der Präsentation steht die Geschichte der Sammlung selbst. Nur etwa vierzehn Jahre – von 1961 bis 1975 – bestand sie als eigenständige Institution, doch bis heute ist sie bei Uhrenkennern ein Begriff: die Uhrensammlung des Schwenninger Uhrenfabrikanten Hellmut Kienzle. Zum Politikum mit bundesweitem Medienecho wurde 1975 der Verkauf der Sammlung an das Land Baden-Württemberg. Die 8 Millionen DM Erlös waren eine Art Staatshilfe für den ins Straucheln geratenen Uhrenhersteller. Betreut wird die Sammlung seither durch das Deutsche Uhrenmuseum in Furtwangen.

 

Dass Uhren als repräsentative Schaustücke dazu dienen, das soziale Prestige ihrer Besitzer zu mehren, ist heute noch genauso aktuell wie im 16. Jahrhundert. Die Prunkstücke der Sammlung wie Hals-, Türmchen- oder Horizontaltischuhren können deshalb heute wie seit jeher in entsprechend prachtvoller Präsentation ihren Glanz erstrahlen lassen.

 

Unter kulturgeschichtlichem Blickwinkel geht es in einer weiteren Abteilung um „Die Welt als Uhr“. Die Mechanik der Uhrwerke lieferte über Jahrhunderte hinweg ein Modell zur Erklärung der Funktionsweise der Welt, des Staates und des menschlichen Körpers.

 

Christoph Lehmann: Florilegium Politicum 1639:
„ein fürst ist des landes uhr, jedes richt sich nach dem selben in wercken als wie nach der Uhr in geschäften.“

 

Taschenuhren bildeten von Beginn an den Schwerpunkt der Kienzle-Uhrensammlung. Deshalb lässt sich im eigens diesen tragbaren Uhren gewidmeten Ausstellungsteil aus dem Vollen schöpfen. Nicht nur Spezialisten und Sammler kommen bei der reichhaltigen Auswahl von Spindel- und Präzisionstaschenuhren, anderen Hemmungen sowie ungewöhnlich gestalteten Zifferblättern und Gehäusen auf ihre Kosten.

 

Das Heimatmuseum als Museum des 20. Jahrhunderts
Neue Abteilung der Dauerausstellung

 

Das Schwenninger Heimatmuseum ist – wie zahllose ähnliche Institutionen in ganz Deutschland – ein Kind des 20. Jahrhunderts, das 1931 an seinem jetzigen Standort eröffnet wurde. Bis heute weitgehend erhaltener Kern dieses Museums sind "Bauernstuben". Die neue Konzeption möchte aufzeigen, wie die in den alten Inszenierungen zum Ausdruck kommende Hochschätzung der vorindustriellen Vergangenheit mit der Dynamik der Industrialisierung zusammenhängt. Mittels einfacher Umgruppierungen und behutsamer Ergänzungen wird ein neuer Blick auf die vertrauten Exponate angestrebt. Das Heimatmuseum soll als das erfahrbar werden, was es objektiv und vielleicht entgegen dem ersten Eindruck ist: Ein Museum des 20. Jahrhunderts, in dem die Verdrängung des Bäuerlichen und Vorindustriellen aus dem Leben ins Museum, aus dem vielschichtigen alltäglichen Nutzungskontext in die niedliche und unbenutzbare Verkleinerungsform der Modelle und Stuben sichtbar wird. In kaum einer zweiten Stadt dürfte diese Veränderungsdynamik so augenfällig gewesen sein wie in Schwenningen.

 

Die neue Abteilung der Dauerausstellung wird nicht nur die wichtigsten Figuren der Schwenninger Fastnacht vorstellen, also Hansel, Schantle, Hölzlekönig oder Moosmulle. Sie wird auch den mit zahlreichen Verboten gepflasterten Weg der Fastnacht zu ihrer heutigen Popularität nachverfolgen. Weiterhin wird sie zeigen, welch große Bedeutung der Neuschöpfung von Figuren durch den einheimischen Maler Paul Goetze im Auftrag der 1928 gegründeten Narrenzunft zukommt: Seither bietet die Fastnacht auch im evangelischen Schwenningen ein Identifikationsangebot, das aus der städtischen Kultur nicht mehr wegzudenken ist.

 

Kohlebügeleisen, Kleiekotzer, Meerschaumpfeife oder Zwicker – Was ist das? Was für die frechen Buben Max und Moritz vor etwa 150 Jahren noch zum täglichen Leben gehörte, kennen viele Kinder heute nicht mehr. Aus dem Alltag verschwundene Gegenstände dürfen Kinder ab 4 Jahren im Heimat- und Uhrenmuseum wiederentdecken.

 

Seit Mai 2012 präsentiert das Museum die neue Kinderabteilung 'Zwei ziemlich gute Freunde'. Auf der Grundlage der berühmten Bildergeschichte Max und Moritz von Wilhelm Busch wird die dörfliche Lebenswelt des früheren Schwenningen der heutigen gegenübergestellt. Mit modernen Alltagsgegenständen begeben sich die Kinder auf die Suche nach deren Entsprechungen in der Vergangenheit. Selbst tätig werden dürfen sie auch bei der Zuordnung einzelner Bildszenen zu den entsprechenden Max und Moritz Dingen.

Aussenansicht des Museums
Rekonstruktion eines Alamannenkopfes
Goldene Uhr "Amor"

Öffnungszeiten

DO-SA 13:00-17:00 Uhr, SO + FEI 11:00-17:00 Uhr
Geschlossen: 24.12., 25.12., 31.12.2016, 1.1.2017

Adresse

Kronenstraße 16
78054  Villingen-Schwenningen (Stadtteil Schwenningen)
Tel: +49 7720 82 23 71
Fax: +49 7720 82 23 77
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